Und schon ist das Auto verkauft! Die Käufer sind ein Pärchen aus der UK, die bis Dezember hier sein werden. Das ging schneller als wir dachten, fast ein wenig zu schnell. So ein Toyota Hiace ist als robustes Modell unter Backpackern bekannt und daher konnten wir ihn zu unserem gewünschten Offseason-Preis verkaufen. Das bedeutet zwar es war weniger Geld als unser Einkaufspreis, aber wir mussten auch nicht weiter mit dem Preis runtergehen oder ihn gar verscherbeln. Zum Abschied gibt es noch ein paar Verkaufsfotos von unserem tollen Campervan zu sehen. Ich vermisse ihn sehr!
Wir haben inzwischen unsere Rückreise nach München geplant. Diese wird sechs Wochen dauern! Ein paar Südseelinseln und Tauchen in Indonesien müssen wir ja auch noch machen, wenn wir schonmal da sind, haben wir uns gedacht 🙂
Ob ich mich auf zu Hause freue? Ja und nein! Ich freue mich auf viele Dinge, darunter Familie, Nichten und Freunde sehen, in unsere schöne Wohnung zurück kehren, auf gutes Brot, Schweinebraten, Quark, Riemer See, bouldern, effiziente öffentliche Verkehrsmittel, ein gutes gesetzliches Gesundheitssystem, Fahrradfahren ohne Helmpflicht und und und.
Andere Dinge dagegen werde ich unglaublich vermissen, wie zum Beispiel die schönen Strände, diese unglaubliche Natur, neuseeländischen Humor, die Freundlichkeit, authentisches asiatisches Essen, meinen Job (und das nicht nur wegen den Friday Beers), die kostenlosen öffentlichen Toiletten und Wasserspender in Hülle und Fülle, das Leitungswasser in Restaurants, gutes Gingerbeer und und und. Ein Hoch auf diese vielen Toiletten, denn jeder Park lädt zum Verweilen und Picknick machen ein!
Aber es kommt noch schlimmer als nur die Toilettenkrise. Ich habe den Fehler gemacht, manchmal hier deutsche Nachrichten zu lesen. Wegen dieser Preview graut es mir jetzt schon davor in mein ach so schönes Bayern zurück zu kehren. Jeden Tag bekommt man dort diese ewig leidigen Themen an den Kopf geknallt. Zum Beispiel dieser äußerst christliche Fanshop-Politiker (siehe Video), für den Wörter wie “Religionsfreiheit”, “Verfassung” und “Säkularismus” Fremdwörter sind. Wurde nicht schon vor Jahren darüber diskutiert, ob das Kreuz in Klassenzimmern und das Tanzverbot überhaupt noch zeitgemäß sind und ob es den Christen zustünde Anderen ihre Bräuche aufzudrücken? Und nun katapultieren uns die Kreuzritter des Wahlkampfes zurück ins Mittelalter, eine wirklich selbstlose Tat und so voller Nächstenliebe. Kritiker werden von Politikern als Unheilige oder Identitätsverleumder beschimpft.
Ich werde diese nüchterne und moderne neuseeländische Denkweise sehr vermissen. Hier ist Religion gar kein Thema und es ist jedem seine Sache, wenn er sonntags in die Kirche gehen mag. Auch bei der Gleichberechtigung haben die Kiwis scheinbar die Nase vorn. Als es bekannt wurde, dass Jadinda Ardern schwanger ist, rechnete ich mit einem Shitstorm “was frau sich erlaube zu so unpassender Zeit die Reproduktion anzugehen” – doch der blieb aus. Statt Freund, Freundin, Frau oder Mann sagt man hier “partner”. Wie simpel – wie neutral – und unvorstellbar für die deutsche Sprache (hier kommt ja wieder das Geschlecht mit hinein “mein Partner”, “meine Partnerin”). Und noch unvorstellbarer für die deutsche Gesellschaft (bei derartigen Vorschlägen käme sofort das Geschimpfe über “Genderwahn” und ob man nicht Besseres zu tun habe).
Trotzdem muss ich natürlich zugeben, es ist nicht alles Gold was glänzt und bestimmt fallen einem negative Seiten im Ausland als Fremder erst bei genauerem Hinsehen auf. Zum Beispiel ist hier durch die Medien gegangen, dass ein Vater dessen Frau bei der Geburt gestorben ist, wegen einer Gesetzeslücke keinen bezahlten “parental leave” erhält. Oder diese dämliche Helmpflicht beim Fahrradfahren. Das führt dann nur dazu, dass es weniger Fahrradfahrer gibt und die Autofahrer noch weniger lernen auf Fahrradfahrer Acht zu geben. Laut den Kollegen ist Fahrradfahren hier ziemlich gefährlich!
Nach langem Hin und Her Überlegen in den letzten Monaten, ob wir in Neuseeland bleiben, Europa ausprobieren oder nach München zurück gehen, ist die Wahl auf München gefallen. Neben all den schönen Dingen ist der Beigeschmack etwas säuerlich, doch mein schönes Bayern braucht mich und meine Stimme, die jedenfalls nicht zugunsten unseres Fanshop-Politikers ausfallen wird.



















Ich freue mich über Eure Entscheidung!
Du hast in der Aufzählung ‘Berghütten mit Kaiserschmarrn’ vergessen 🙂
Und man kommt mit wenig Aufwand schnell in tolle Gegenden.